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Facturae und VeriFactu: E-Invoicing in Spanien

Noch nicht unterstützt

docs101 unterstützt aktuell ausschließlich ZUGFeRD/Factur-X. Facturae/VeriFactu-Unterstützung für den spanischen Markt ist für eine zukünftige Version geplant. Unternehmen mit Sitz in Spanien können docs101 derzeit nicht für konforme Rechnungsstellung nutzen.

Spanien führt zwei komplementaere Systeme für digitale Rechnungsstellung ein: VeriFactu, eine zertifizierte Anforderung an Rechnungssoftware, die die manipulationssichere Rechnungserstellung gewährleistet, und ein B2B-E-Invoicing-Mandat unter der Ley Crea y Crece, das strukturierte elektronische Rechnungen für alle Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen erforderlich macht. Das nationale Rechnungsformat Facturae spielt eine zentrale Rolle neben EN 16931-konformen Formaten.

VeriFactu: Zertifizierte Rechnungssoftware

Was es ist

VeriFactu (abgeleitet von "Verifiable Invoice") ist eine Verordnung, die Anforderungen an die von spanischen Unternehmen verwendete Rechnungssoftware vorsieht. Sie ist formal im Koeniglichen Dekret 1007/2023 (Reglamento de requisitos que deben adoptar los sistemas informaticos de facturacion) definiert.

Im Gegensatz zu Clearance-Modellen (Italien, Polen), bei denen Rechnungen eine Regierungsplattform durchlaufen, funktioniert VeriFactu auf Softwareebene: Es verlangt, dass Rechnungssysteme manipulationssichere, standardisierte Datensätze erzeugen, die die Integrität und Rückverfolgbarkeit jeder Rechnung ab dem Moment ihrer Erstellung gewährleisten.

Wie es funktioniert

VeriFactu verlangt von Rechnungssoftware:

  1. Erstellung eines standardisierten Rechnungsdatensatzes für jede ausgestellte Rechnung mit allen rechtlich erforderlichen Datenfeldern
  2. Erstellung einer Hash-Kette: Jeder Rechnungsdatensatz enthält einen kryptographischen Hash des vorherigen Datensatzes und erzeugt so eine manipulationssichere Kette (aehnlich Blockchain-Prinzipien)
  3. Digitales Signieren von Rechnungsdatensätzen, um die Authentizität zu gewährleisten
  4. Optionale Übertragung von Datensätzen an die AEAT (Agencia Estatal de Administración Tributaria — Spanische Steuerbehörde) nahezu in Echtzeit

Unternehmen, die Software mit dem Label "VeriFactu" verwenden, müssen ihre Rechnungsdatensätze an die AEAT übertragen. Unternehmen, die konforme Software ohne VeriFactu-Label verwenden, müssen zwar die Hash-Kette und digitalen Signaturen beibehalten, sind aber nicht verpflichtet, die Übertragung in Echtzeit durchzuführen — müssen die Datensätze jedoch auf Anfrage verfügbar machen.

Zeitplan

  • 1. Januar 2027: Verpflichtend für Unternehmensteuerzahler (Impuesto sobre Sociedades), die nicht bereits das SII-System verwenden
  • 1. Juli 2027: Ausweitung auf alle anderen ansaessigen Steuerzahler und Freiberufler (autónomos)

Unternehmen, die bereits im SII-System (Suministro Inmediato de Información — Unmittelbare Informationsbereitstellung) zur Echtzeit-Umsatzsteuerberichterstattung angemeldet sind, sind von VeriFactu befreit, da SII bereits eine gleichwertige Transparenz gegenüber den Steuerbehörden bietet.

B2B-E-Invoicing-Mandat (Ley Crea y Crece)

Was es ist

Das Ley Crea y Crece (Gesetz 18/2022) einführte den Rechtsrahmen für verbindliches B2B-E-Invoicing in Spanien. Die spezifischen technischen Anforderungen und der Zeitplan sind in Durchführungsverordnungen definiert, die sich noch in der Ausarbeitung befinden.

Erwarteter Zeitplan

Das Mandat folgt einer schrittweisen Veröffentlichung basierend auf dem Geschäftsumsatz:

  • Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über €8 Millionen: Erwartet verpflichtend 12 Monate nach Veröffentlichung der endgültigen Durchführungsverordnungen (wahrscheinlich 2027)
  • Alle anderen Unternehmen: Erwartet verpflichtend 24 Monate nach Veröffentlichung (wahrscheinlich 2028)

Die genauen Termine haengen von der Veröffentlichung der endgültigen Durchführungsverordnungen (Reglamento de desarrollo) ab, die sich noch in Ausarbeitung befinden.

Wie es funktionieren wird

Spanien plant ein interoperables Modell, das öffentliche und private Plattformen kombiniert:

  • Eine öffentliche Plattform betrieben von der Regierung dient als zentraler Hub
  • Autorisierte private Plattformen können auch für den Rechnungsaustausch verwendet werden
  • Wenn eine private Plattform verwendet wird, muss eine Kopie in Facturae-Syntax auch auf die öffentliche Plattform hochgeladen werden

Dieser Hybrid-Ansatz ermöglicht es Unternehmen, ihre bevorzugte Infrastruktur zu wählen, während die Steuerbehörden Sicht in alle Transaktionen haben.

Facturae: Spaniens nationales Format

Was es ist

Facturae ist Spaniens nationales XML-Format für elektronische Rechnungen. Es wird seit 2015 für B2G-Rechnungsstellung (Geschäft-zu-Regierung) über das FACe-Portal (Punto General de Entrada de Facturas Electronicas de la Administración General del Estado) verwendet.

Format-Details

Facturae ist ein XML-Schema, das von der spanischen Regierung gepflegt wird. Wichtigste Merkmale:

  • XML-basiert: Reines strukturiertes Datenformat (kein eingebettetes PDF)
  • Digital signiert: Facturae-Rechnungen müssen mit einer XAdES-elektronischen Signatur signiert werden
  • Versionierung: Die aktuelle Version ist Facturae 3.2.x
  • B2G-Standard: Verpflichtend für Rechnungen an Spaniens öffentliche Verwaltung

Akzeptierte Formate für B2B

Für das kommende B2B-Mandat akzeptiert Spanien Rechnungen, die EN 16931 in den folgenden Formaten entsprechen:

  • CII (UN/CEFACT Cross Industry Invoice XML)
  • UBL (ISO/IEC 19845)
  • Facturae (Spaniens nationale XML-Syntax)

Verwandte spanische Systeme

SII (Suministro Inmediato de Información)

SII ist ein Echtzeit-Umsatzsteuerberichterstattungssystem, das von der AEAT betrieben wird. Es ist verpflichtend für:

  • Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über €6 Millionen
  • Unternehmen, die in das monatliche Umsatzsteuer-Rückerstattungsregister (REDEME) angemeldet sind
  • Unternehmensgruppen unter dem besonderen Umsatzsteuerregime

SII verlangt von Unternehmen, Rechnungsdaten innerhalb von 4 Kalendertagen nach der Ausstellung an die AEAT zu berichten. Unternehmen, die SII verwenden, sind von VeriFactu-Anforderungen befreit.

TicketBAI

TicketBAI ist ein paralleles Rechnungssoftware-Zertifizierungssystem, das im Baskenland (País Vasco) verwendet wird. Es wird von den drei baskischen Provinzsteuerbehörden (Diputaciones Forales) betrieben und hat Anforderungen aehnlich wie VeriFactu, geht ihnen aber voraus. TicketBAI ist seit 2022-2024 (stufenweise nach Provinz) in den baskischen Provinzen verbindlich.

NaTicket

NaTicket ist ein aehnliches System, das für Navarra entwickelt wird, basierend auf denselben Prinzipien wie TicketBAI.

Wichtige Unterschiede zu anderen Systemen

AspektSpanien (VeriFactu + B2B)Italien (SDI)Deutschland (ZUGFeRD)
SoftwarezertifizierungErforderlich (VeriFactu)Nicht erforderlichNicht erforderlich
Clearance-ModellNein (Integrität auf Softwareebene)Ja (SDI-Abrechnung)Nein (dezentralisiert)
B2B-FormatCII, UBL oder FacturaeFatturaPA XMLZUGFeRD PDF+XML
Echtzeit-BerichterstattungOptional (VeriFactu) / Erforderlich (SII)Automatisch über SDINicht erforderlich
Hash-KetteErforderlichNicht verwendetNicht verwendet
Verbindliches B2BErwartet 2027/2028Seit 2019Ausstellung ab 2027/2028

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