Peppol BIS: Pan-Europäisches Netzwerk für E-Invoicing
docs101 unterstützt aktuell ausschließlich ZUGFeRD/Factur-X. Peppol-BIS-Unterstützung ist für eine zukünftige Version geplant. Unternehmen in Ländern mit Peppol-Pflicht (z.B. Belgien) können docs101 derzeit nicht für konforme Rechnungsstellung nutzen.
Peppol BIS (Business Interoperability Specifications) ist ein paneuropäischer E-Invoicing-Standard, der auf dem Peppol-Netzwerk aufbaut. Im Gegensatz zu Clearance-Modellen, die in Italien und Polen verwendet werden, nutzt Peppol ein Netzwerkmodell: Rechnungen werden direkt zwischen zertifizierten Zugriffspunkten ausgetauscht, wobei keine zentrale Regierungsplattform zur Validierung erforderlich ist.
Was ist Peppol?
Peppol (Pan-European Public Procurement Online) ist ein internationales Framework für den elektronischen Dokumentaustausch. Ursprünglich für öffentliche Beschaffung in der EU entwickelt, hat sich Peppol auf B2B-Invoicing ausgeweitet und wird inzwischen weltweit verwendet (unter anderem in Singapur, Australien und Neuseeland).
Das Peppol-Framework wird von OpenPeppol verwaltet, einer gemeinnützigen internationalen Vereinigung mit Sitz in Brüssel. OpenPeppol ist verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Standards, die Zertifizierung von Zugriffspunkten und die Verwaltung der Netzwerkinfrastruktur.
Was ist Peppol BIS?
Peppol BIS (Business Interoperability Specifications) definiert die Dokumentformate und Geschäftsregeln für Peppol-Transaktionen. Für Invoicing ist der aktuelle Standard Peppol BIS Billing 3.0, der angibt, wie du EN 16931-konforme Rechnungen im UBL 2.1-Syntax erstellst.
Peppol BIS Billing 3.0 ist nicht nur ein Format - es definiert auch Validierungsregeln (sogenannte "Artefakte"), die über EN 16931 hinausgehen, um die Interoperabilität innerhalb des Peppol-Netzwerks zu gewährleisten.
Wie es funktioniert
Das Peppol-Netzwerk operiert nach einem vier-Ecken-Modell:
- Sender (Ecke 1): Der Lieferant erstellt eine Peppol BIS-Rechnung
- Zugriffspunkt des Senders (Ecke 2): Ein zertifizierter Peppol-Dienstanbieter, der die Rechnung ins Netzwerk übertraegt
- Zugriffspunkt des Empfängers (Ecke 3): Ein zertifizierter Peppol-Dienstanbieter, der die Rechnung im Namen des Empfängers entgegennimmt
- Empfänger (Ecke 4): Der Kunde ruft die Rechnung von seinem Zugriffspunkt ab
Das Peppol-Netzwerk übernimmt das Routing automatisch mit Hilfe des SML (Service Metadata Locator) und des SMP (Service Metadata Publisher), um den korrekten Zugriffspunkt des Empfängers anhand der Peppol Participant ID des Empfängers zu finden.
Keine zentrale Abwicklung
Im Gegensatz zu SDI (Italien) oder KSeF (Polen) gibt es keine zentrale Regierungsplattform, durch die Rechnungen laufen müssen. Die Compliance wird durch Folgendes sichergestellt:
- Standardisierte Dokumentformate (Peppol BIS basierend auf UBL)
- Zertifizierte Zugriffspunkte, die Dokumente vor der Übertragung validieren
- OpenPeppol-Governance und Audit-Verfahren
Technische Details
Format
Peppol BIS Billing 3.0 verwendet UBL 2.1 (Universal Business Language, ISO/IEC 19845) als Syntax. Dies ist eines der zwei offiziellen Syntax-Bindings von EN 16931 (das andere ist CII, das von ZUGFeRD/Factur-X verwendet wird).
Eine Peppol BIS-Rechnung ist ein reines XML-Dokument - es gibt keine visuelle PDF-Ebene. Empfänger benötigen Software, die UBL XML rendern oder verarbeiten kann, um den Inhalt der Rechnung anzuzeigen.
Identifikation von Teilnehmern
Jede Entität im Peppol-Netzwerk wird durch eine Peppol Participant ID identifiziert, die aus folgenden Elementen besteht:
- Ein Scheme-Identifikator (z. B.
0208für belgische Unternehmensummern,9925für deutsche Umsatzsteuer-IDs) - Der Teilnehmer-Identifikator (z. B. die eigentliche Unternehmensummer oder Umsatzsteuer-ID)
Diese ID wird vom Netzwerk verwendet, um Dokumente an den korrekten Zugriffspunkt weiterzuleiten.
Transportprotokoll
Peppol nutzt das AS4-Messagingprotokoll für den Dokumentaustausch zwischen Zugriffspunkten. Dies ist ein sicherer, zuverlässiger Messaging-Standard, der Lieferbestätigung gewährleistet und Verschlüsselung unterstützt.
Belgien: Pflicht seit Januar 2026
Belgien ist das erste EU-Land, das B2B-E-Invoicing über Peppol vorschreibt. Die Verpflichtung trat am 1. Januar 2026 in Kraft.
Wichtigste Anforderungen
- Alle belgischen, umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen müssen in der Lage sein, strukturierte E-Rechnungen über das Peppol-Netzwerk zu versenden und zu empfangen
- Der erforderliche Standard ist Peppol BIS 3.0 basierend auf UBL, konform mit EN 16931
- Papierrechnungen und unstrukturierte PDFs werden nicht mehr akzeptiert für inländische B2B-Transaktionen
- B2C-Transaktionen sind von der Verpflichtung ausgenommen
Übergangsfrist
Eine dreimonatige Toleranzfrist galt vom 1. Januar bis 31. März 2026. Während dieser Zeit wurden keine Sanktionen verhängt, sofern Unternehmen vernünftiges und rechtzeitiges Compliance-Bemühen nachweisen konnten.
Verbrauchergeldbuße
Nach Ablauf der Übergangsfrist betragen die Geldbußen für fehlende technische Fähigkeit zum Versenden oder Empfangen von Peppol BIS-E-Rechnungen:
- EUR 1.500 für eine erste Zuwiderhandlung
- EUR 3.000 für eine zweite Zuwiderhandlung
- EUR 5.000 für weitere Zuwiderhandlungen
Alternativen
Wenn sich Sender und Empfänger einigen, können alternative Methoden verwendet werden, sofern diese mit den Standards EN 16931 oder CEN/TS 16931 übereinstimmen. Allerdings müssen alle Steuerzahler die technische Fähigkeit zur Nutzung von Peppol beibehalten, unabhängig von bilateralen Vereinbarungen.
Länder der Nordischen Region
Peppol ist in Nordeuropa weit verbreitet, allerdings mit unterschiedlichen Graden der Verpflichtung:
- Norwegen: Peppol ist für B2G-Invoicing Pflicht. Die B2B-Adoption ist freiwillig sehr hoch.
- Dänemark: Starke Peppol-Adoption für B2G und B2B. Dänemark war einer der frühesten Verfechter von strukturiertem E-Invoicing in der EU.
- Schweden: Hohe freiwillige Adoption von Peppol für B2B und Pflicht für B2G.
- Finnland: Wachsende Peppol-Adoption, Pflicht für B2G.
Diese Länder haben noch keine für Belgien vergleichbaren verbindlichen B2B-Peppol-Anforderungen eingeführt, aber die Adopationsraten sind bereits hoch aufgrund von Regierungsunterstützung und Marktnachfrage.
Wichtigste Unterschiede zu anderen Formaten
| Aspekt | Peppol BIS | ZUGFeRD / Factur-X | FatturaPA / SDI |
|---|---|---|---|
| Format | UBL 2.1 XML | PDF + CII XML | FatturaPA XML |
| Modell | Dezentrales Netzwerk | Direkter Austausch | Abwicklung durch Regierung |
| Visuelle Ebene | Keine (reines XML) | PDF enthalten | Keine (reines XML) |
| Netzwerk | Zertifizierte Zugriffspunkte | Keine erforderlich | SDI-Plattform |
| Governance | OpenPeppol (international) | FeRD / FNFE-MPE | Agenzia delle Entrate |
| Primäre Adoption | Belgien, Nordische Länder, wachsend in der EU | Deutschland, Frankreich | Italien |
Mehr erfahren
- ZUGFeRD and E-Invoicing Formats in the EU: Überblick über alle EU-E-Invoicing-Formate
- EN 16931 Standard: Der europäische Standard, den Peppol BIS umsetzt
- Digital Invoicing in the EU: Behördliche Landschaft in den EU-Mitgliedstaaten